Buchvorstellung „Deutsche Arbeit“

Dienstag 5.6 // 20.00 Uhr

Felix Axster und Nikolas Lelle stellen zusammen mit Klaus Holz den 2. Band ‚„Deutsche Arbeit“. Kritische Perspektiven auf ein ideologisches Selbstbild‘ aus der Reihe „Studien zu Ressentiments in Geschichte und Gegenwart“ (hrsg. vom Zentrum für Antisemitismusforschung) vor.

„Der Topos „Deutsche Arbeit“ entstand Mitte des 19. Jahrhunderts und verknüpfte Vorstellungen von Arbeitsmoral und nationalem Charakter.

Während des NS-Regimes wurde er – als konstitutiver Bestandteil des Konzepts der „Volksgemeinschaft“ – in besonderer Weise wirkmächtig. Das Buch geht der Genese dieses ideologischen Selbstbildes nach. Die Beiträge untersuchen, in welcher Weise Arbeit nationalistisch aufgeladen und im Gegenzug die Ideologie des Nationalen durch den Arbeitsbegriff konturiert wurde. Ebenso wird nach dem Potenzial der Ausgrenzung gefragt, das im Antisemitismus und der Vernichtungspolitik des „Dritten Reichs“ kulminierte. Schließlich wird die Frage aufgeworfen, wie sich die spezifische Radikalisierung des Topos „Deutsche Arbeit“ durch den Nationalsozialismus fassen lässt und welchen Effekt die Erkenntnis der longue durée dieses Topos‘ auf die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte hat.

Wir werden an diesem Abend in das Buch einführen, zwei Aufsätze ausführlicher vorstellen und dann die Frage nach der Aktualität des Topos „Deutsche Arbeit“ zur Diskussion stellen. Dabei geht es auch und vor allem um den Versuch, gegenwärtig in Deutschland geführte Debatten über Arbeit, die im Zuge der Wirtschaftskrise wieder verstärkt Konjunktur haben, historisch zu kontextualisieren und auf Bruchstellen und Kontinuitätslinien hin zu befragen.“

Buchvorstellung: Susanne Kappesser: Radikale Erschütterungen. Körper- und Gender-Konzepte im neuen Horrorfilm

Dienstag 22. Mai // 20 Uhr

Susanne Kappesser: Radikale Erschütterungen. Körper- und Gender-Konzepte im neuen Horrorfilm

Frauen im Horrorfilm sind entweder Opfer oder erhalten die berühmte Rolle des »Final Girls« – der letzten Überlebenden, die den Serienkiller meist zur Strecke bringt –, und fast immer werden sie stark sexualisiert dargestellt. Nicht so im modernen französischen Genrekino. Die französischen Terrorfilme der letzten 15 Jahre fallen nicht nur wegen der drastischen und realistischen Darstellung von Gewalt auf (»neue französische Härte«). Sie haben auch Frauenfiguren hervorgebracht, die es bisher in dem Genre noch nicht gab. Es scheint, als seien autonome und selbstreflexive Frauen die neue Quelle des Horrors.
Anhand der wichtigsten Filme des Genres wie etwa HIGH TENSION, MARTYRS, FRONTIER(S) und INSIDE untersucht die Autorin mittels neuerer Ansätze der Körper- und Gendertheorie die Repräsentationen des Körperhorrors. Ihre zentrale These: Weibliche Figuren, die sich heteronormativen Körperkonzepten entziehen, werden zu monströsen Gestalten. Die Verhandlungen mit tradierten Vorstellungen von Körperlichkeit erfolgen dabei in drei Schritten: Irritation, Angriff und Erschütterung – die Leinwandkörper greifen unsere gegenwärtigen Konzeptionen von Geschlecht und Körper an, und es wird deutlich: Die Quelle des Terrors liegt in unserer eigenen sozialen Wirklichkeit.

Das Buch ist im Bertz Fischer Verlag erschienen.

http://www.bertz-fischer.de/product_info.php?products_id=486

Auftaktveranstaltung der Linken Buchtage 2018.
Die Linken Buchtage finden vom 1.-3. Juni im Mehringhof Kreuzberg statt.

Weitere Informationen unter www.linkebuchtage.de

Die MRX-Maschine

Donnerstag 17.5. // 20 Uhr

Marx ausbuddeln, Proletariat einrühren, Geschlecht aufmischen…

Heiner Müller schlägt für den Umgang mit Lenin eine Strategie des Grabraubs oder der Ansteckung vor: „Erst wenn er aus dem Mausoleum raus ist. Dann ist der Virus wieder freigesetzt.“ Auch für die Ansteckung mit Marx und für den nach Verwesung duftenden Begriff des Proletariats gilt es die Schaufeln auszupacken – um sich weniger vom scheinheiligen Pathos der Erben oder wissenschaftlicher Desinfektion als vielmehr von der Taktlosigkeit der Grabräuber*innen und Zombies leiten zu lassen. Wie lassen sich in einem solchen Programm Proletariat, Feminismus und Antirassismus solidarisch zusammendenken? Darüber diskutieren Luise Meier und Patrick Eiden-Offe.

Luise Meier, geboren 1985 in Ostberlin, Studienabbrecherin, „freie“ Autorin und Servicekraft veröffentlichte bis 2017 auf der homepage der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Ihr Buch „MRX Maschine“ ist 2018 bei Matthes & Seitz Berlin erschienen.

Dr. Patrick Eiden-Offe arbeitet am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung und hat 2017 sein vielbeachtetes Buch Poesie der Klasse. Romantischer Antikapitalismus und die Erfindung des Proletariats veröffentlicht.

Veranstaltet von Helle Panke – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

Feminist alliances: Activist perspectives on Syrian emancipatory struggles and transnational solidarity prospects

Samstag 12.5. // 20 Uhr

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Feministische Allianzen: Aktivistische Perspektiven auf syrische
Emanzipationskämpfe und transnationale Solidaritäten

Die Forderung nach transnationalen feministische Allianzen sind schon lange Teil einer theoretischen Debatte um Feminismus. Die (queer-)feministischen Kämpfe innerhalb der syrischen Revolution jedoch litten von Beginn an unter ihrer Unsichtbarkeit in der internationalen, vor allem aber deutschen Wahrnehmung. Solidaritäts- und Anerkennungsbemühungen blieben verhalten. In dieser Debatte widmen wir uns gemeinsam mit syrischen Aktivist*innen nun den Erfahrungen queer-feministischer Kämpfe und ihren Verwicklungen mit deutschen Diskursen – um endlich die notwendigen feministischen Allianzen zu visionieren und einzufordern.

Sprache: Englisch
Eintritt frei

Diese Veranstaltung wird gefördert vom Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) aus Mitteln des Auswärtigen Amts.

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Feminist alliances: Activist perspectives on Syrian emancipatory
struggles and transnational solidarity prospects

Transnational feminist alliance-building has long held center stage in academic-leaning feminist debates across the globe. However, with regard to the manifold (queer-)feminist Syrian revolutionary struggles, instances of solidarity and knowledge production within Germany have been few. In this debate, together with syrian feminist activist we will discuss the ramifications of queer-feminist Syrian experiences from an activist point of view, look at entanglements with German discourses, and try and envision feminist alliances.

Language: english
Entrance free

Supported by ifa – Institut für Auslandsbeziehungen and with financial means of the Auswärtiges Amt (AA).

Buchvorstellung mit Argyris Sfountouris „Schweigen ist meine Muttersprache“

Di. 24.04.2018 // 19.30 Uhr

Zeit seines Lebens hat sich Argyris Sfountouris vor dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrung für Gerechtigkeit und Humanität eingesetzt. Sein zweites Buch „Schweigen ist meine Muttersprache“ schildert durch Briefe an den Waisenjungen literarisch eindrücklich die Erfahrung eines Lebens mit dem Verlust und der Erinnerung. Zugleich gelingt es ihm, mehr als nur einen persönlichen Erfahrungsbericht vorzulegen. So enthält das Buch zahlreiche reflexive Texte zur besonderen Rolle der Opfer von rassistischen Verbrechen für die gegenwärtige politische Arbeit und anderen Themen.

Argyris Sfountouris überlebte am 10. Juni 1944 das Massaker deutscher Soldaten an 218 Menschen in seinem Heimatort Distomo. Die Bundesrepublik Deutschland hat ihm jegliche Form von Entschädigung verweigert, weshalb er mit anderen Hinterbliebenen vor griechischen, deutschen und internationalen Gerichten klagte.
Alle deutschen Regierungen haben ihren Druck geltend gemacht,
um die Pfändung deutschen Vermögens als Folge der erfolgreichen Klagen in Griechenland und zuletzt in Italien zu verhindern.

Wir wollen mit Argyris Sfountouris und Mitgliedern der Theatergruppe „Distomo – Unbeglichene Schulden“ aus seinem Buch lesen und darüber diskutieren. Es wird Zeit für Fragen aus dem Publikum geben.

Agyris Sfountouris: Schweigen ist meine Muttersprache. Griechenland – seine Dichter, seine Zeitgeschichte, Königshausen und Neumann, Würzburg 2017.