Archiv für September 2017

Ägypten als Türsteher der Festung Europa

Mittwoch // 27.09 // 20:00

Vor einem Jahr unterzeichneten die deutsche und die ägyptische Regierung ein Abkommen zur „Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich“. Es soll die Bekämpfung von Terrorismus und schweren Straftaten verbessern. In Deutschland wurde für die Kooperation eigens ein Gesetz erlassen, wichtigste deutsche Partner sind das Bundeskriminalamt und die Bundespolizei. Auf ägyptischer Seite wird mit dem Staatsicherheitsdienst kooperiert, der geheimdienstliche Befugnisse hat und für Folterungen auf Polizeistationen und in Gefängnissen bekannt ist.
Zu den Inhalten des Sicherheitsabkommens gehört auch die Kontrolle von Migration. Im August haben beide Regierungen neue Maßnahmen zur „migrationspolitischen Zusammenarbeit“ verabredet. Deutsche Behörden helfen bei der Aufrüstung der Grenzen und beim Aufspüren von Schleusern, zudem finanziert die Bundesregierung die Unterbringung von Geflüchteten in Lagern. Mit „Aufklärungskampagnen“ sollen weitere MigrantInnen von der Überfahrt nach Europa abgehalten werden. Neben Tunesien und Libyen wird Ägypten damit zum weiteren Türsteher der Festung Europa ausgebaut.
Unsere drei Gäste aus Ägypten berichten zur Repression auf der Straße, vor Gericht, im Gefängnis, im Flüchtlingslager und im Internet. Sie zeigen, welche politischen Funktionen das deutsch-ägyptische Abkommen in der rigiden Außenpolitik der Europäischen Union übernimmt.
Die Veranstaltung findet teilweise in Englisch statt.

Recht auf Trauer. Bestattungen aus machtkritischer Perspektive

Mittwoch//13.09.17//20.00

Recht auf Trauer. Bestattungen aus machtkritischer Perspektive

Die Bestattungspraxis in Deutschland ist von Machtverhältnissen, insbesondere von Klassismus und Heteronormativität, geprägt. Aktuell werden immer mehr arme und marginalisierte Menschen in Deutschland, für die keine Zugehörigen die Bestattungspflicht wahrnehmen (können), ohne Grabstein und Namen, ohne Trauerfeiern und Blumenschmuck von Gesundheits- und Ordnungsämtern anonym bestattet. Teilweise, wie z.B. in dem Berliner Bezirk Neukölln, finden die ordnungsbehördlichen Bestattungen monatlich als Sammelbeerdigung im Minutentakt statt. Oft wurden diese Menschen schon zu Lebzeiten durch Klassismus, Rassismus und psychosoziale Normalitätsvorstellungen marginalisiert und gesellschaftlich ausgegrenzt.
In dem Vortrag zeigt Francis Seeck den Zusammenhang zwischen Machtverhältnissen und Beerdigungspraktiken auf. Es geht außerdem um widerständige Praktiken auf der Friedhofswiese, sei es durch Trauergäste, Aktivist*innen und Mitarbeiter*innen – ganz im Sinne von „Rest in protest!“. Und wie könnten queer-feministische Visionen für Trauer- und Bestattungen aussehen?

Zur Referent*in:
Francis Seeck ist eine genderqueere Autor*in, Doktorand*in, Antidiskriminierungstrainer*in und Spoken Word Künstler*in. In der Dissertation beschäftigt sich Francis mit kollektiven (Self-)Care Praktiken innerhalb von trans* und nicht-binärem Aktivismus zwischen Empowerment und Neoliberalisierung.

Aktuelle Veröffentlichung: Seeck, Francis (2017): Recht auf Trauer. Bestattungen aus machtkritischer Perspektive. Münster: Edition Assemblage.