Archiv für November 2016

Start-ups, Apps & Wadenmuskelkraft

Donnerstag // 01.12. // 20.00

Wie sich der Digitale Kapitalismus und seine Arbeitskämpfe im Alltag zeigt.

In der Berliner Innenstadt sind die Fahrer*innen von Deliveroo und Foodora nicht zu übersehen. Überall schlängeln sich Essenslieferanten hastig mit ihren Warmhalteboxen durch den Straßenverkehr. Dass diese schweißtreibende Arbeit zum Bild des um sich greifenden Digitalen Kapitalismus und seiner Arbeitsverhältnisse werden könnte, hätten die wenigsten gedacht. Bei Digitalem Kapitalismus denken wir doch vor allem an die großen Internetfirmen des Silicon Valley mit ihren gut bezahlten Entwickler*innen und Programmierer*innen, die vor dem Bildschirm sitzen und die digitale Welt kreativ gestalten. Solang uns jedoch noch nicht Drohnen und selbstfahrende Autos die Dinge bringen, die wir im Netz bestellen, geht der Digitale Kapitalismus mit jeder Menge prekarisierter Arbeit einher. In anderen Ländern greifen Fahrer*innen dieser expandierenden Unternehmen des Digitalen Kapitalismus auf die traditionellen Formen des Klassenkampfs, die gewerkschaftliche Organisierung und den Streik, zurück.

Über die Pfade und Wirklichkeiten des Digitalen Kapitalismus und seiner Arbeitsverhältnisse wollen wir am Beispiel der Lieferdienste-Apps an diesem Junge-Panke-Abend sprechen.

Als Grundlage zeigen wir zu Beginn Videointerviews mit Fahrern von Foodora und Deliveroo. Darüber sprechen wir dann mit Journalisten Hendrik Lehmann („Tagesspiegel Digital Present“) und Nina Scholz (freie Journalistin).

Diese Abendveranstaltung ist eine Kooperation von Helle Panke e. V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Selbsthass & Emanzipation. Das Andere in der heterosexuellen Normalität.

donnerstag // 24.11 // 20:00 uhr:

JUNGLE WORLD präsentiert:
Selbsthass & Emanzipation. Das Andere in der heterosexuellen Normalität.

Vortrag, Buchvorstellung & Diskussion

Nicht nur Heterosexuelle betonen möglichst häufig, wie tolerant und liberal die Gesellschaft doch mittlerweile geworden sei – gerade in Bezug auf Schwule, Lesben und Transmenschen. Auch Schwulen, Lesben und Transmenschen ist die Normalität ein großes Anliegen, zu der es zu gehören scheint, dass alles, so wie es ist, in bester Ordnung sei.
Die Feindseligkeit aber ist immer noch vorhanden. Am deutlichsten spürbar im Coming-out, das auch heute für die meisten ein Problem darstellt. So weit kann es also nicht her sein mit der Normalität der Anderen. Und doch wird in zahlreichen Aufklärungsversuchen ein Schwerpunkt auf den Abbau von Vorurteilen gelegt. Das kommt häufig einer Unterwerfungsgeste gleich – und allzu oft wird der Hass vergessen, der ja das eigentliche Problem ist.
Anderssein wird abgewertet, was sich nicht zuletzt auf die Anderen und ihren Umgang mit sich selbst auswirkt. Patsy l‘Amour laLove präsentiert in ihrem Vortrag ihren Sammelband „Selbsthass & Emanzipation“ (Querverlag) und geht der Frage nach, was Emanzipation im heterosexuellen Wahnsinn bedeuten kann.

Patsy l‘Amour laLove, Polit-Tunte, Dissertation zur Schwulenbewegung der 1970er Jahre, Organisatorin von Veranstaltungen wie „Polymorphia – die TrümmerTuntenNacht“, engagiert im Schwulen Museum*. .www.patsy-love.de

Die Veranstaltung fällt wegen krankheit aus!!! sorry

donnerstag // 17.11.2016 // 20 uhr

Von nützlichen Migrant_innen und Babies aus der Mittelschicht. Strategien gegen eine neue deutsche Bevölkerungspolitik

Deutschland hat „demografische“ Probleme und eine „Demografiestrategie“ soll die lösen. In der Folge der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik forderten in der alten Bundesrepublik vor allem Altnazis und neue Rechte offen eine staatliche Politik, um Größe, Zusammensetzung und „Qualität“ der deutschen Bevölkerung zu gestalten. In den letzten zwanzig Jahren hat sich dies radikal geändert, ohne dass Feminist_innen und Linke hierauf bislang effektive Antworten entwickelt hätten. Die Bundesregierungen haben katastrophische Szenarios einer „schrumpfenden“ und „alternden“ deutschen Bevölkerung wiederentdeckt und das Gegensteuern zum offenen Ziel ihrer Familien- und Migrationspolitik erklärt – ohne großen Gegenwind.

In der Veranstaltung wollen wir die Begründungsmuster und Auswirkungen dieser neuen deutschen Bevölkerungspolitik diskutieren. Wir schauen uns die „Demografiepolitik“ der Bundesregierung an – mit den Zielen einer Steigerung von Geburten in den Mittelschichten und einer auf „nützliche“ Fachkräfte ausgerichteten, klassenselektiven Migrationspolitik. Eine Dimension davon sind die Anwerbestrategien von migrantischen Pflegekräften, deren Arbeitsbedingungen und -kämpfe wir anhand des Beispiels spanischer Pflegekräfte diskutieren wollen. Und wir fragen: Welche Kontinuitäten gibt es zwischen der „Demografiestrategie“ der Bundesregierung und rechtsextremen Programmen, insbesondere der AfD, die für eine „aktive Bevölkerungspolitik“ wirbt?

Vor allem aber: Welche Gegenstrategien und politischen Organisations- und Aktionsformen können wir der neuen deutschen Bevölkerungspolitik entgegensetzen?

Wir diskutieren diese und andere Fragen mit Naiara García Gómez, die als Mitglied der spanischen Gewerkschaftsgruppe GAS (Grupo de Acción Sindical) migrantische Pflegekräfte in Deutschland in ihren Arbeitskämpfen unterstützt, mit Andreas Kemper, der die bevölkerungspolitische Programmatik der AfD vorstellt, sowie Susanne Schultz, die einen Überblick über die Demografiestrategien der letzten Bundesregierungen gibt. Moderation: Mike Laufenberg.