Archiv für Juni 2014

Von der Nelkenrevolution zum Krisendebakel

Sonntag // 22.06. // 20.00

Über die Klassenkämpfe in Portugal 1974/75 und heute

Charles Reeve (Paris)
Ricardo Noronha (Lissabon)

Aufgeklärte Militärs stürzen die Diktatur, das Volk bedankt sich mit Blumen: Sofern überhaupt noch im Gedächtnis, gilt die portugiesische Nelkenrevolution heute als geglückter Coup für die Demokratie – was vom Ergebnis her betrachtet nicht einmal falsch ist. Die Zeit nach dem April 1974 war allerdings zunächst eine von offensiven Klassenkämpfen, die dem Programm des Staatspersonals, Diktatur und Kolonialbesitz ab-zuwickeln, um den portugiesischen Kapitalismus zu modernisieren, gewaltige Steine in den Weg rollten. Wilde Streiks und Basiskomitees, Besetzungen von Häusern, Betrieben und Ländereien, eine in Auflösung begriffene Armee, deren untere Ränge zur Revolution überliefen, machten die Hoffnung auf einen geschmeidigen Übergang zunichte und führten Portugal mehrfach an den Rand eines Bürgerkriegs. »Noch nie, nicht einmal in Ungarn, ist das moderne Proletariat so weit gegangen«, bemerkte Guy Debord damals.

Im Rückblick wirken die Bilder der revolutionären Wirren wie solche aus einer anderen, endgültig abgeschlossenen Epoche. Vierzig Jahre später hat die Demokratie in Portugal krisenbedingt jeden Glanz verloren. Die rigide Sparpolitik ruft immer wieder Protest hervor. In welchem Verhältnis stehen die Proteste von heute zur Arbeiterautonomie von damals?

Über die Beziehungen zwischen heute und damals sprechen Ricardo Noronha (Lissabon), Geschichtsforscher und an den jüngeren Kämpfen Beteiligter, und Charles Reeve (Paris), u.a. Verfasser des Essays Die portugiesische Erfahrung (1975). Die Veranstaltung findet auf Englisch statt. Texte der beiden sowie weiteres Material finden sich auf kosmoprolet.org

22. Juni 2014 – 20:00

Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft

Die Europäische Kommune – Krise, Bewegung und die radikale Linke

Samstag // 21.06. // 20Uhr

****english text below****

„Europa findet längst statt. Der europäische Horizont umreißt den für uns entscheidenden gesellschaftlichen und politischen Handlungsraum“ schreiben die Koalition der Sozialen Zentren aus Italien und die Interventionistische Linke (D/A) und umreißen als Perspektive die „Europäische Kommune“. Gedacht als Ausgangspunkt für eine Debatte über die Bedingungen, Herausforderungen und Perspektiven für eine echte transnationale Bewegung gegen das Europa des Kapitals und der Grenzen, möchten wir den Text nun zur Diskussion stellen. Dazu haben wir Organisationen und Bündnisse aus verschiedenen Ländern und Spektren eingeladen den Text zu kommentieren und ihre Vision für ein Europa von unten zu skizzieren. Die transnationale Mobilisierung gegen den EU-Gipfel zur Jugendarbeitslosigkeit, der am 11. Juli in Turin stattfinden stellt für uns dabei eine weitere Möglichkeit dar, unsere Kämpfe zusammenzubringen. Dabei ist Turin für uns nicht das Ziel, sondern nur der Ausgangspunkt einer von unten, von den konstituierenden sozialen Bewegungen Europas getragenen „Jahreszeit der Kämpfe“ über die Nicht-Eröffnung der EZB im Herbst bis hin zur Europäischen Kommune.

Interventionistische Linke und Koalition der Sozialen Zentren/GP

http://www.thecommuneofeurope.org/

Eingeladen sind unter anderem
Dinamopress (I)
Beyond Europe (GR/UK/D/A)
Fundación de los Comunes (ES)
Allt åt alla (SE)

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The Commune of Europe
Crisis, Movements and the radical left

„Europe is taking place. And as such, the European scale has become one of our critical social and political spaces of action“, write the Coalition of Social Centers in Italy and the Interventionist Left in Germany/Austria, outlining the perspective of a „European Commune“. We would like to put the text up for discussion as a point of departure in a discussion about the conditions, challenges and perspectives for a real transnational movement against the Europe of capital and borders. We have invited organisations and coalitions from various countries and currents to comment on the text and sketch with us a vision for a Europe from below.
The transnational mobilisation against the EU summit on youth unemployment on July 11 presents itself as an opportunity, moreover, to bring our struggles together on the street. Turin is not the goal, but rather another initial step of a „Season of Struggles“ carried from below, from the constituent social movements of Europe, towards the non-opening of the new ECB tower in the fall and further on towards the Commune of Europe.

Interventionistische Linke and Coalition of Social Centers

http://www.thecommuneofeurope.org/

Invited:
DinamoPress (I)
Beyond Europe (GR/UK/D/A)
Fundación de los Comunes (ES)
Allt åt alla (SE)

Dein Block mein Kiez?#7: „Migrantische Kämpfe gegen Verdrängung“

Freitag der 13te // 20.00

Die zweite Veranstaltung in der Reihe:

Im Norden Neuköllns sind Migrant_innen in einer besonderen Form von Gentrifizierung und Neuordnungen im Kiez betroffen. Die Zusammensetzung der Bevölkerung in der Nachbarschaft hat sich stark verändert, die angestammten Familien von sog. Gastarbeiter_innen und andere nicht-weiße Bevölkerungsgruppen der Unterschicht werden vehement zu verdrängen versucht.

Gleichzeitig wären Mieter_innenbewegung, Mietstreiks und der Aufbau der Kieze ohne die Bewegung, das Wissen, die Selbstorganisation und die Kampfbereitschaft der Migrant_innen nicht möglich gewesen.

An diese heterogene Geschichte knüpfen die derzeitigen Kämpfe um Leben und Wohnen in der Stadt an. Eine Bestandsaufnahme und eine Einladung mitzumachen, denn der Kampf hat gerade erst begonnen.

Mit Ali Gülbol (im Februar 2013 zwangsgeräumt und aktiv beim Bündnis Zwangsräumung Verhindern), Ceren Türkmen (Soziologin und Aktivistin), Cagri Kahveci (antirassistischer Aktivist bei Allmende) und Peter Nowak (Herausgeber des Buches „Zwangsräumungen verhindern“).

DEIN BLOCK MEIN KIEZ? #7: RAP&SPOKEN WORD ZU KIEZ, RASSISMUS UND FEMINISMUS

Sonntag // 08.06. // 19 Uhr

Zum Auftakt des diesjährigen „DEIN BLOCK MEIN KIEZ?“ bittet das k-fetisch Künstlerinnen auf die Bühne, die mit Rap und Spoken Word ihre Perspektiven auf die Themen: Kiez, Rassismus und Feminismus zum Ausdruck bringen.

19:00 Uhr: „Rap only for me“. Filmpräsentation in Anwesenheit der Filmemacherinnen und Sinaya

Im Film „Rap only for me“ (20min) von Kader Metin und Zineb Boukhari mit Sookee, Kobito und Sister Fa erzählen die beiden 17-jährigen Protagonistinnen, wie sie begonnen haben zu rappen, welche Schwierigkeiten ihnen dabei begegnet sind, was das Rappen allgemein für sie bedeutet und warum sie heute nicht mehr auf einer Bühne vor Publikum, sondern nur noch für sich im Privaten rappen. Sie gehen durch ihren Kiez und treffen dabei auf Rapper und Rapperinnen der älteren Generation und lassen diese ihre Geschichte erzählen. Der Film ist ein beeindruckendes Porträt über zwei Jugendliche, ihren Zugang zu Rap als Jugendkultur und den Einfluss, den Rappen auf ihrem Weg hin zu selbstbewussten jungen Frauen genommen hat.

Der Film ist in Kooperation mit der Schilleria und StreetGriot Medienpädagogik e.V. entstanden. Das Mädchencafé Schilleria bietet im Schillerkiez Empowerment- und Freizeiträume für Mädchen und junge Frauen ab 7 Jahren. Mehr Infos: http://schilleria.blogspot.de/

20:15 Uhr: Spoken Word zu Kiez, Rassismus und Feminismus. Mit Bahati und Sarah Mouwani

Bahati ist eine afrodeutsche Sängerin, MC und Poetess. Sie leitet seit März 2014 bei EOTO e.V. eine Schreibwerkstatt. Sie ist außerdem Initiatorin der Spoken Word Veranstaltungsreihe ‚Sisters Poetry‘, deren Ziel es ist, Schwarze frauliche Poesie und Perspektiven auf die Bühne zu bringen.

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Das weitere Programm:

Fr 13. Juni 20 Ihr
Veranstaltung: Migrantische Kämpfe gegen Verdrängung
@ k-fetisch, Wildenbruchstr. 86
https://www.facebook.com/events/630948990316321

Sa 14. Juni 16:00-22:00 Uhr
HipHop-OpenAir @ Tristeza, Pannierstr. 1
https://www.facebook.com/events/638699139548892

Di 17. Juni 19 Uhr
Diskussion zu geschlechtersensibler Jugendarbeit
@ Tristeza, Pannierstr. 1

Sa 21. Juni
Nein heißt Nein! Workshop zu verbaler Selbstverteidigung
@ NFJ Berlin
https://www.facebook.com/events/639367596145915

So 22. Juni 14-18 Uhr
Rap-Workshop ohne Typen
@ Tristeza, Pannierstr. 1

Podiumsgespräch: Aspekte der Befreiung

Mittwoch // 04.06. // 20 Uhr

Der 8. Mai 1945 markierte das Ende des nationalsozialistischen Regimes. Bis heute wird er von Antifaschist_innen in vielen Ländern als „Tag der Befreiung“ gefeiert. Doch mit der Befreiung landete die Diskriminierung von im NS Verfolgten nicht auf dem Müllhaufen der Geschichte. Vielmehr gab es sowohl in der DDR als auch in der BRD vielschichtige Kontinuitäten von Antisemitismus und Antikommunismus. Diesem Themenkomplex widmen wir uns in einer Podiumsdiskussion mit Salomea Genin und Hans Coppi.

Salomea Genin (geboren 1932) floh 1939 mit ihrer Familie vor der antisemitischen Verfolgung der Nazis nach Australien. Als überzeugte Kommunistin zog sie 1963 in die DDR und wurde Mitglied der SED. Sie wird uns darüber berichten, wie sie die Zeit in der DDR wahrgenommen hat und warum sie vom „antifaschistischen Deutschland“ bitter enttäuscht wurde.

Hans Coppi (geboren 1942) engagiert sich seit vielen Jahren in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist_innen. Er wird etwas über die Kontinuität von Antikommunismus erzählen.

Nach ihren Beiträgen gibt es die Möglichkeit für Fragen und Diskussion.