Archiv für Mai 2013

Rassistische Kontinuitäten in der BRD und DDR

Donnerstag // 23.5. // 19 uhr

Die Erzählungen der Abschaffung des Grundrechts auf Asyl und der rassistischen Praxis des deutschen Mobs auf der Straße beginnen vielfach immer noch mit der Wiedervereinigung. Wenngleich die Nachwendezeit ihre eigene Spezifik entwickelte, wollen wir mit Serhat Karakayali und Harry Waibel die oft vernachlässigte Vorgeschichte der frühen Neunziger diskutieren und somit Kontinuitäten rassistischer Praxen und
Diskurse in der BRD und DDR analysieren. Dabei sollen auch die Kämpfe der Migration gegen diese Praxen nicht unsichtbar bleiben.

Diese Veranstaltung ist organisiert vom Bündnis Fight Racism Now!http://www.fightracismnow.net/), welches sowohl aus Anlass des 20.Jahrestags der Abschaffung des Grundrechts auf Asyl als auch des Mordanschlags von Solingen am 25. Mai eine bundesweite Demonstration in Berlin organisiert und im Vorfeld dazu Aktionen und Veranstaltungen plant.

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The narrative that is given about the abolition of the right to asylum and the racist activity of the German mob on the streets often begins with German reunification. However, even if the period after reunification developed its own specific characteristics, we want to discuss with Serhat Karakayali and Harry Waibel the often neglected prehistory of the early 1990s, and in doing so analyse the continuity of racist practices and discourses in the FRG and GDR. In the process, the struggles of migrants against these practices should be made visible.

the speakers will speak german but we organized a translation into English.

This meeting is organised by the campaign Fight Racism Now!
(http://www.fightracismnow.net/), which is organising a nationwide demonstration in Berlin on the 25th of May in order to mark the twentieth anniversty of the abolition of the right to asylum, as well as the twentieth anniversary of the Soligen arson attack, and in the run up to the demonstration is planning various actions and meetings.
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Feministische Perspektiven auf die Krise

Mittwoch //22.5. //19:30

Mit Inputs zu Reproduktionskrise (Anja), Sozialpolitik/Geschlechterverhältnisse (Katharina Pühl), Situation in Athen (Sofia Kousiantza), politische Ansätze zu Care-Arbeit (Anna Dohm)

In vielen Analysen der Finanzkrise taucht die Organisation des Alltags nicht auf. Und dort, wo es überhaupt um Arbeits- und Lebensverhältnisse geht, werden oftmals alte Spaltungslinien wieder erneuert: Im Zentrum steht dann die Lohnarbeit, während Leben in der Erwerbslosigkeit, das Auskommen ohne Arbeitserlaubnis oder die unbezahlte Reproduktionsarbeit nicht mit der Krisensituation in Verbindung gebracht werden.

Mit unserer Veranstaltung wollen wir feministische Perspektiven auf die Krise diskutieren und untersuchen, inwiefern wir es mit einer Krise der sozialen Reproduktion zu tun haben – und welche Fragen sich daraus für die politische Praxis stellen.

Zunächst rücken wir die ökonomischen Widersprüche, die zur Krise führen und die gesellschaftlichen Zusammenhänge, die die Reproduktionskrise bedingen, in den Blick. Oder: Reproduktionskrise ist der zugespitzte Widerspruch zwischen Reproduktionskosten und Profitmaximierung. So darf im Kapitalismus die soziale Reproduktion der Menschen nicht zu viel kosten, denn diese Kosten belasten die Profitrate. Dass damit gleichzeitig die Kaufkraft geschwächt wird und der Kapitalismus sich seine eigene Quelle der Wertproduktion entzieht, nämlich die Arbeitskraft, scheint zweitrangig. Vor allem aber: Mit einem Wirtschaften, das tatsächlichen Bedürfnissen und Versorgung gerecht wird, hat das wenig zu tun.

Dann geht es genauer um Transformationen der sozialen Reproduktion: Welche Veränderungen haben sich in Kinderbetreuung, Familienmodellen, Hausarbeit, Pflege, Gesundheit oder Bildung über die letzten Jahrzehnte ergeben? Welche Wechselwirkungen bestehen zwischen den Feldern Arbeitsmarktpolitik, Sozialpolitik und Geschlechterpolitik? Welche sozialen Ungleichheiten gehen damit einher? Und welche verschiedenen Artikulationsbedingungen von Menschen mit unterschiedlichen sozialen Positionierungen?

Anschließend verdeutlichen wir den Zustand der sozialen Reproduktion an Hand von Schilderungen aus Athen: Was heißt es genau, wenn den Menschen nur noch wenig bleibt, ihr bisheriges Leben in der Form nicht mehr fortsetzbar ist und eine soziale und gesundheitliche Grundversorgung ins Wanken gerät?

Zu guter Letzt fragen wir nach der politischen Praxis: Wie können momentan als privat wahrgenommene gesellschaftliche Bereiche, in denen die Reproduktionsarbeiten zum Teil unsichtbar stattfinden, repolitisiert werden? Wie kann das „Private ist Politisch“ neue Aktualität bekommen? Bieten im Care-Bereich Streikmobilisierungen, wie in Krankenhäusern, eine Perspektive? Oder stellt sich damit ein alter Fokus auf Lohnarbeitskämpfe wieder her und bleibt so die private Reproduktionsarbeit weiter in der Unsichtbarkeit? Kurzum: Welche Handlungsoptionen führen zu einer Care Revolution? Nach vier kurzen Statements würden wir gern mit Euch diskutieren:

Wir tragen unsere Forderungen nach Frankfurt und schließen uns der unabhängigen feministischen Mobilisierung zu blockupy an (30.Mai /1.Juni).

(siehe auch: http://naturfreundejugend-berlin.de/ unter: Arbeitskreise -> AK Feminismus)

Über Krise, Krisenerklärungen und die Krisen der Krisenerklärungen

mittwoch // 15.05. // 20.00

Diskussionsveranstaltung von *andere zustände ermöglichen mit Tomasz Konicz

Nach circa fünf Jahren Krise und fünf Jahren Erklärungen der Krise gibts es weiterhin hartnäckige Versuche, die Krise der kapitalistischen Produktionsweise in eine „Finanzkrise“ oder eine Staatsschuldenkrise“ umzudeuten. Um die Halbwertszeit solcher Thesen zu verkürzen, laden wir euch herzlich zur Infoveranstaltung ins K-Fetisch in. Dort diskutieren wir mit Tomasz Konicz (freier Journalist, u.a. Konkret, Telepolis) über die Ursachen der Krise, den Gefahren die bestimmte Krisenerklärungen bergen und die Krisendeutungen die der deutsche Staat selbst zur Durchsetzung seiner Interessen in Europa in Anspruch nimmt. Als Fallbeispiele dienen uns dabei die Kritik der Nahrungsmittelspekulation und die „Rettung“ Zyperns.

„Aufstand aus der Küche“, Lesung mit Silvia Federici (vorwiegend in englischer Sprache)

[Beschreibung]
Dienstag // 07.05.13 // 19.30

„Aufstand aus der Küche“ ist eine feministische Kritik der politischen Ökonomie. Das Buch schließt an die materialistischen Diskussionen von Feminist_innen der 70er Jahre an und aktualisiert sie für den gegenwärtigen Kontext der globalen Krise. Federici erinnert an die „unvollendete feministische Revolution“ und knüpft an aktuelle Debatten um die Politik der Commons an.

Das Buch ist der erste Band aus der Reihe Kitchen Politics – Queerfeministische Interventionen in der Edition Assemblage. Das Herausgeber_innen-Kollektiv Kitchen Politics zielt auf queerfeministische Interventionen in aktuelle linke Debatten. Die Buchreihe versteht queerfeministische Theorie und Praxis als wesentlichen Bestandteil von Gesellschaftskritik und möchte die Verbindungslinien zwischen verschiedenen politischen Diskussionen sichtbar machen und reflektieren. Herausgeber_innen sind Bini Adamczak, Mike Laufenberg, Felicita Reuschling, Sarah Speck und Chris Tedjasukmana.

Von Racial Profiling bis Polizeigewalt…

Donnerstag // 2.5. // 19:00 Uhr

Jenny Künkel, Volker Eick, Kendra Briken

Von Racial Profiling bis Polizeigewalt, von Aktenvernichtung bis Korruption –Polizeien stehen in der Kritik. Sie selbst sehen sich als
Spielball „der Politik“; Polizeigewerkschaften skandalisieren die vermeintlich wachsende Gewalt gegen Uniformierte – nun sogar „aus der Mitte der Gesellschaft“. Diese Phänomene sind durch weitreichende Redefinitionen des staatlichen Gewaltmonopols in den letzten Jahrzehnten unterlegt: „Bürgerpolizeien“, kommerzielle Sicherheitsdienste und in quasi-polizeiliche Aufgaben eingebundene Hartz IV-Empfangende erweitern
das Akteursspektrum. New Public Management setzt die – an quantifizierbaren Zielen orientierte – Sachzwangpolitik auch für
Polizeiarbeit um; transnationale Polizeikooperationen tun ein Weiteres.
Jenny Künkel, Volker Eick und Kendra Briken nehmen diese Veränderungen unter den Bedingungen krisenhafter (Post-)Neoliberalisierung in den
Blick und fragen u.a.: Wie neoliberal ist das staatliche Gewaltmonopol? Welche Rolle spielen unterschiedliche Policing-Strategien in der
neoliberalen Stadt? Und was bedeuten Krisen für Policing – bzw., wie ist der Krisenbegriff hier überhaupt zu verstehen?

Jenny Künkel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Humangeographie der Goethe-Universität und bearbeitet das DFG-Projekt „Policing American Style Frankfurt am Main?“. Volker Eick ist Politikwissenschaftler an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Kendra Briken ist Soziologin und arbeitet an der Universität Bremen in einem Projekt des SFB „Staatlichkeit im Wandel“