Archiv für März 2013

Kapitalismus am Rande des Nervenzusammenbruchs

Donnerstag // 4.4. // 19:00 Uhr

mit Georg Fülberth und Seminar für angewandte Unsicherheit [SaU]

Eine grundsätzliche Kritik an Überwachung, Kontrolle und Disziplinierung ist nicht möglich, ohne Überwachung in ihrem spezifischen, historischen Kontext zu betrachten: als Überwachung im Kapitalismus.
Im Rahmen dieser Überblicksveranstaltung erklärt Georg Fülberth deswegen die Grundlagen der aktuellen Krise des Kapitalismus. Dafür gibt er auch einen kurzen historischen Überblick über verschiedene Ausprägungen des Kapitalismus und seine Krisen. Das Seminar für angewandte Unsicherheit wird im Anschluß zeigen, wie sich parallel zu den Krisen des Kapitalismus auch die jeweiligen Überwachungstechnologien gewandelt haben. Gemeinsam wollen wir die Auswirkungen der aktuellen Krise sowie konkrete Ausprägungen der ­Kontrollgesellschaft diskutieren.
Georg Fülberth, geb. 1939, von 1972 bis 2004 Professor für Politikwissenschaft in Marburg. Mitglied der DKP. Schreibt in KONKRET, junge Welt, neues deutschland, Freitag, Lunapark 21.
Eine Veranstaltung des Seminar für angewandte Unsicherheit [SaU] im Rahmen der Reihe Kapitalismus am Rande des Nervenzusammenbruchs. Veranstaltungsreihe zu Krise und Überwachung (http://unsicherheit.tk/veranstaltungsreihe-krise)

Fels Jour Fixe: Gesundheit, Altern, Familie, Eine QueerFeministische SelbstBefragung

Mittwoch // 27.03. // 20.00

Die IL Berlin QueerFeminismus AG stellt ihr derzeitiges Projekt zum Themenkomplex „Absicherung“ vor. Anhand einer Selbstbefragung wollen wir Widersprüchen und alltägliche Begrenzungen unserer Handlungsspielräume, die wir im Bereich Familie, Gesundheit und Altern erfahren, aufspüren und sichtbar machen. Doch nicht nur das, wir suchen darüber aktiv nach Anknüpfungspunkten für ein Weiterdenken und Handeln, die wir zunächst konkretisieren und dann durch eine politische Praxis radikalisieren können.

Dabei kreisen unsere Fragen zum Beispiel darum, wie mögliche Strategien aussehen, wenn wir mal nicht in der Lage sind unsere alltägliche Repro-/Arbeit zu erledigen? Und welche Rolle dabei kollektive Formen des Zusammenlebens und die Wahl-/Familie für soziale „Absicherung“ spielen können? Über diese und andere Dimensionen von „Absicherung“ wollen wir gerne mit euch ins Gespräch kommen.

Wir freuen uns auf euer Kommen!

Screening:“Detlef – 60 Jahre schwul“ mit Detlef Stoffel und Stefan Westerwelle

Donnerstag // 21.03. // 20:00 Uhr

Bewegende Geschichten aus dem Leben von Bielefelder Bewegungsschwester Detlef Stoffel. Er selbst und Regisseur Stefan Westerwelle werden mit dabei sein und sich unseren Fragen stellen!

Eintritt kostenlos.

Präsentiert von Mutvilla ♥

Ein paar Infos zum Film:
„Detlef – 60 Jahre schwul“
von Stefan Westerwelle & Jan Rothstein
Deutschland 2012

mit Detlef Stoffel, Lilo Wanders, Corny Littmann, Anneliese Stoffel, Gustav-Peter Wöhler

Kamera: Jan Rothstein; Schnitt: Jan Rothstein, Stefan Westerwelle; Produzent: Stefan Westerwelle
Label/Studio: PRO-FUN MEDIA

„In den siebziger Jahren war der Bielefelder Detlef Stoffel einer der Pioniere der deutschen Schwulenbewegung. Er wollte lieber die Gesellschaft verändern, als sich dem Mainstream anzupassen. Heute ist Detlef auf seine Weise in der Gesellschaft angekommen. Seit einigen Jahren pflegt er seine über 90 Jahre alte Mutter, ohne allerdings seine Streitbarkeit eingebüßt zu haben. Detlef ist eine unterhaltsame und außergewöhnlich facettenreiche Doku über einen ebenso facettenreichen Charakter und zugleich ein spannender und nachdenklicher Trip durch die schwule Zeitgeschichte – ein fast vergessenes Kapitel deutscher Geschichte.“ (http://www.pro-fun.de/php/detail.php?film_id=339)

20 Jahre Maus Übersetzung // Welches Potenzial hat der politische Comic?

/ 2. Veranstaltung mit Ole Frahm /
/ Dienstag 12. März / 19.00 //

Als vor zwanzig Jahren MAUS – A Survivor’s Tale von Art Spiegelman erschien, ahnte niemand, dass damit im Comic eine große Wende einsetzen würde: mit der Graphic Novel begann sich ein literarisches Format durchzusetzen, das neue Stoffe, Biographien, historische Ereignisse und politische Kämpfe zeigen konnte. Doch diese Entwicklung bleibt zwiespältig, löste sie nicht zuletzt – wie auch in Art Spiegelmans Werk – die underground comix ab, deren Ablehnung der gesellschaftlichen Verhältnisse drastisch zum Ausdruck kam. Mit der Graphic Novel ist der Comic von einem Medium proletarisierter Erfahrung aufgestiegen zum Medium der mittelständischen, postfordistisch differenzierten Subjektivität. Die Freiheit des Erzählens, die in der Loslösung von den eng gesteckten Genregrenzen der Comic-Hefte mit ihren Superhelden, Horror-Stories und Western-Schmonzetten sicherlich steckt, geht mit einer strukturellen Bejahung des gesellschaftlichen Status Quo einher, so sehr der im einzelnen kritisiert werden mag. Art Spiegelman beispielsweise revidierte in seiner komplexen Bildsprache mit MAUS den von (nationalsozialistischen) Fotografien dominierten Blick auf den Holocaust und stellte so eine direkte Intervention gerade in den deutschen Erinnerungsdiskurs dar. Dies geht mit einem expliziten Rückgriff auf low brow-Formen wie den Tiercomic einher, der zu mancher Kontroverse geführt hat. Die Strategien des politisch-subversiven Comics sollen in dem Gespräch mit Ole Frahm im Zentrum stehen.

Referent: Ole Frahm, Comicforscher und Gründungsmitglied der Arbeitsstelle für Graphische Literatur (ArGL) an der Universität Hamburg, er ist Autor von „Die Sprache des Comics“ und „Genealogie des Holocaust. Art Spiegelmans MAUS – A Survivor`s Tale“
Moderation: Birgit Ziener