Archiv für Juli 2012

Filmabend: Das falsche Wort

Dienstag, 31. Juli 2012, 19:00 Uhr

Filmabend mit Einführung und anschließendem Gespräch

In dem Dokumentarfilm wird zum ersten Mal die Verfolgung der deutschen Sinti und Roma zur Zeit des Nationalsozialismus aus der Sicht der Verfolgten erzählt. Außerdem zeigen die Filmemacherinnen, eine von ihnen selbst Tochter Überlebender, den oft vergeblichen Kampf der Überlebenden um Entschädigung und Anerkennung sowie die andauernden Diskriminierungen von Sinti und Roma durch bundesdeutsche Behörden.

Dabei verwenden die Filmemacherinnen neben Interviews mit Überlebenden und ihren Kindern bis dahin unveröffentlichte Polizeiakten und Fotos der nationalsozialistischen Rasseforscher und stellen die Frage, warum diese Dokumente zurückgehalten wurden.

Katrin Seybold wäre gern an diesem Abend anwesend gewesen, ist jedoch leider am 27. Juni 2012 gestorben. Wir betrauern eine außergewöhnlich engagierte Filmemacherin.

Ein Dokumentarfilm von Melanie Spitta und Katrin Seybold
BRD 1987, 16 mm Farbe, 85 Minuten

Lesung mit Musik:
»arriving in the future«

arriving

Am Mittwoch den 25.7. um 20 Uhr findet hier bei uns eine Lesung mit musikalischer Begleitung statt. Wir sind gespannt und freuen uns sehr:

„Arriving In The Future. Stories of Home and Exile“ ist ein unabhängiges englisch-sprachiges Buchprojekt, bestehend aus Poesie, Kurzgeschichten und Essays von schwarzen Autor_innen und Performer_innen, die Deutschland als Lebensmittelpunkt betrachten. Ein besonderer Fokus liegt auf der Performance. Im Vorfeld der Veröffentlichung sind eine Reihe von Lese- und Performance-Abenden geplant. So werden im Laufe der kommenden sechs Monate wir, die Autor_innen das Wort auf der Bühne ergreifen,um unseren eigenen Stimmen Gehör zu verschaffen; um selbst zu sprechen und nicht wie sonst üblich von der Mehrheitsgesellschaft thematisiert, problematisiert und besprochen zu werden.“
Diese erste Veranstaltung ist Lesung, Spoken Word Performance und Konzert zugleich. Auf der Bühne stehen dieses Mal die südafrikanische Sängerin Blaq Pearl, die Spoken Word /Neo-Soul Band New Night Babies mit RonAmber „Flow“ Deloney und Philipp Khabo Köpsell, die Autorin Sharon Dodua Otoo, der Sänger Maxim Argilagos und die Poetin Asoka Esuruoso.

Bücher- und Veranstaltungsreihe anlässlich der Pogromtage in Rostock-Lichtenhagen vor 20 Jahren

Vom 22. bis 26. August 1992 griff ein Mob aus Neonazis und ganz normalen Deutschen über Tage hinweg die „Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber“ und das direkt angrenzende Wohnheim ehemaliger vietnamesischer Vertragsarbeiter_innen im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen an: Brennende Häuser, fliehende Menschen, ein gewalttätiger Mob, dem bis zu 3.000 Zuschauer_innen applaudierten und verantwortungslose Verantwortliche. Eine Allianz aus staatlichem Rassismus, Medienhetze und Alltagsrassismus ließ zu, dass vietnamesische Vertragsarbeiter_innen und Migrant_innen, um ihr Leben fürchten mussten. Das sogenannte „Sonnenblumenhaus“ wurde mit Molotowcocktails in Brand gesteckt, während sich noch über 100 Bewohner_innen und ein Fernsehteam des ZDF darin aufhielten. Die Polizei zog sich zeitweise völlig zurück und überließ die Eingeschlossenen schutzlos sich selbst.

Das brennende Sonnenblumenhaus wurde zu einem erschreckenden Symbol des wiedervereinigten Deutschland. Nur Wochen nach dem Pogrom wurde in einem breiten Konsens im Bundestag das Grundrecht auf Asyl abgeschafft.

Wir wollen mit der Bücher- und Veranstaltungsreihe an die Geschehnisse von vor 20 Jahren erinnern und nach Entwicklungen von alltags- und institutionellem Rassismus, nationalistischer Ideologie, von Volksmob bis Partynationalismus fragen, sowie uns mit der damaligen Situation und Reaktion von linksradikaler Seite auseinandersetzen.

Filmvorführung »The truth lies in Rostock«

Sonntag, 22. Juli 2012, 19:30 Uhr

Die Dokumentation „The truth lies in Rostock“ gibt einen detaillierten Überblick über die Geschehnisse der Pogromtage und ihre Auswirkungen von der „Evakuierung“ der Flüchtlinge und ehemaligen Vertragsarbeiter_innen bis hin zur Debatte um die faktische Abschaffung des Grundrechts auf Asyl. Sie vereinigt dabei Bilder aus dem Inneren des Vertragsarbeiter_innen-Wohnheims unmittelbar während der Angriffe und Gespräche mit den Angegriffenen mit sprachlos machenden Interviews von Verantwortlichen offiziellerseits, Anwohner_innen und Angreifer_innen.