Book Launch „Den NSU-Komplex analysieren“

donnerstag // 12.10 // 20:00 uhr

Im August erschien der Band „Den NSU-Komplex analysieren. Aktuelle Perspektiven aus der Wissenschaft“. Im Zusammenhang mit dem NSU-Komplex behandelt das Buch u.a. die Themen institutioneller Rassismus, migrantisch situiertes Wissen, Collusion und Kritik der Extremismusdoktrin.

Die HerausgeberInnen Juliane Karakayali, Cagri Kahveci, Doris Liebscher und Carl Melchers laden herzlich zum Book Launch ein. Der Book Launch wird eine Mischung aus Lesung, Filmscreening und Podiumsgespräch sein.

Max Fuhrmann präsentiert ein Best-of aus den Jahrbüchern „Extremismus & Demokratie“, den gesammelten Werken von Backes, Jesse, Pfahl-Traughber u.a. – Abstruses, Erheiterndes und Empörendes. Außerdem diskutieren Fritz Burschel und Özge Sarp von NSU Watch die Ergebnisse des Münchner NSU-Prozesses. Im Anschluss wird Filmmaterial vom NSU-Tribunal in Köln-Mühlheim gezeigt.

Der Veranstaltungsort ist das K-Fetisch, Wildenbruchstrasse 86, Berlin. Beginn der Veranstaltung ist 20:00.

Unter Generalverdacht. Lebensrealitäten von Rom*nja in Berlin

Donnerstag// 5.10. // 20:00 uhr

„Mit solchen Leuten wollen wir nichts zu tun haben. Gehen Sie, oder wir rufen die Polizei.“ Solche Äußerungen sind für viele der in Berlin lebenden Rom*nja auch heute noch eine bittere Realität. Antiziganismus ist eine der am stärksten verbreiteten Formen von Rassismus; die Bandbreite der Diskriminierungserfahrungen besonders von nichtdeutschen Rom*nja ist groß und erschwert ihre gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe massiv. Amaro Foro e.V. ist eine transkulturelle Jugendselbstorganisation von Rom*nja und Nicht-Rom*nja und vertritt vor allem die nichtdeutschen Rom*nja in Berlin, die mit strukturellen Benachteiligungen zu kämpfen haben. Seit 2014 dokumentiert der Verein antiziganistische Vorfälle systematisch; die Dokumentation ist einzigartig in Deutschland. Erfasst werden dabei strukturelle Diskriminierungen ebenso wie individueller Rassismus, außerdem werden Medienberichte und soziale Medien ausgewertet.

Auf der Veranstaltung stellen Georgi Ivanov, Koordinator der Anlaufstelle von Amaro Foro e.V., und Andrea Wierich, Pressereferentin des Vereins, die im Frühjahr veröffentlichte Jahresauswertung 2016 des Projektes „Dokumentation antiziganistisch motivierter Vorfälle und Stärkung der Opfer von Diskriminierung“ vor und präsentieren Fallbeispiele aus verschiedenen Lebensbereichen. Anschließend gibt es die Möglichkeit zur Diskussion.

Ägypten als Türsteher der Festung Europa

Mittwoch // 27.09 // 20:00

Vor einem Jahr unterzeichneten die deutsche und die ägyptische Regierung ein Abkommen zur „Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich“. Es soll die Bekämpfung von Terrorismus und schweren Straftaten verbessern. In Deutschland wurde für die Kooperation eigens ein Gesetz erlassen, wichtigste deutsche Partner sind das Bundeskriminalamt und die Bundespolizei. Auf ägyptischer Seite wird mit dem Staatsicherheitsdienst kooperiert, der geheimdienstliche Befugnisse hat und für Folterungen auf Polizeistationen und in Gefängnissen bekannt ist.
Zu den Inhalten des Sicherheitsabkommens gehört auch die Kontrolle von Migration. Im August haben beide Regierungen neue Maßnahmen zur „migrationspolitischen Zusammenarbeit“ verabredet. Deutsche Behörden helfen bei der Aufrüstung der Grenzen und beim Aufspüren von Schleusern, zudem finanziert die Bundesregierung die Unterbringung von Geflüchteten in Lagern. Mit „Aufklärungskampagnen“ sollen weitere MigrantInnen von der Überfahrt nach Europa abgehalten werden. Neben Tunesien und Libyen wird Ägypten damit zum weiteren Türsteher der Festung Europa ausgebaut.
Unsere drei Gäste aus Ägypten berichten zur Repression auf der Straße, vor Gericht, im Gefängnis, im Flüchtlingslager und im Internet. Sie zeigen, welche politischen Funktionen das deutsch-ägyptische Abkommen in der rigiden Außenpolitik der Europäischen Union übernimmt.
Die Veranstaltung findet teilweise in Englisch statt.

Recht auf Trauer. Bestattungen aus machtkritischer Perspektive

Mittwoch//13.09.17//20.00

Recht auf Trauer. Bestattungen aus machtkritischer Perspektive

Die Bestattungspraxis in Deutschland ist von Machtverhältnissen, insbesondere von Klassismus und Heteronormativität, geprägt. Aktuell werden immer mehr arme und marginalisierte Menschen in Deutschland, für die keine Zugehörigen die Bestattungspflicht wahrnehmen (können), ohne Grabstein und Namen, ohne Trauerfeiern und Blumenschmuck von Gesundheits- und Ordnungsämtern anonym bestattet. Teilweise, wie z.B. in dem Berliner Bezirk Neukölln, finden die ordnungsbehördlichen Bestattungen monatlich als Sammelbeerdigung im Minutentakt statt. Oft wurden diese Menschen schon zu Lebzeiten durch Klassismus, Rassismus und psychosoziale Normalitätsvorstellungen marginalisiert und gesellschaftlich ausgegrenzt.
In dem Vortrag zeigt Francis Seeck den Zusammenhang zwischen Machtverhältnissen und Beerdigungspraktiken auf. Es geht außerdem um widerständige Praktiken auf der Friedhofswiese, sei es durch Trauergäste, Aktivist*innen und Mitarbeiter*innen – ganz im Sinne von „Rest in protest!“. Und wie könnten queer-feministische Visionen für Trauer- und Bestattungen aussehen?

Zur Referent*in:
Francis Seeck ist eine genderqueere Autor*in, Doktorand*in, Antidiskriminierungstrainer*in und Spoken Word Künstler*in. In der Dissertation beschäftigt sich Francis mit kollektiven (Self-)Care Praktiken innerhalb von trans* und nicht-binärem Aktivismus zwischen Empowerment und Neoliberalisierung.

Aktuelle Veröffentlichung: Seeck, Francis (2017): Recht auf Trauer. Bestattungen aus machtkritischer Perspektive. Münster: Edition Assemblage.

Rostock-Lichtenhagen als antiziganistisches Pogrom.

donnerstag // 31.08 // 19:30 uhr

’ … und du wirst sehen, die Leute, die hier wohnen, werden aus den Fenstern schauen und Beifall klatschen.’

Rostock-Lichtenhagen als antiziganistisches Pogrom und konformistische Revolte

Die antiziganistische Dimension des Pogroms von Rostock-Lichtenhagen bleibt in Rückschau und Analyse häufig unterbelichtet, sowohl in Bezug auf den Mob auf der Straße als auch in Bezug auf die Legitimation der Abschaffung des Asylrechts.
Im Vortrag soll diese Dimension eingehender beleuchtet und auf ihre Funktion hin analysiert werden.

Die Veranstaltung findet als Teil der bundesweiten Veranstaltungsreihe des Bündnisses “Irgendwo in Deutschland” statt.
Alle Veranstaltungen und Aufruf: irgendwoindeutschland.org



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