„Wir sind Russen, Gott ist mit uns“, Heftvorstellung

Mittwoch // 26.07 // 20:00 uhr

„Wir sind Russen, Gott ist mit uns“, so geht eine russische Militärhymne. Im maroden Russland ahndet man nach irgendeiner nationalen Idee, um nach außen hin handlungsfähiger zu werden, sich von der Knechtschaft durch fremde Mächte zu befreien und endlich einen eigenen zivilisatorischen Weg zu gehen. Die Annexion der Krim sei die Wiederaneignung des für orthodoxe ChristInnen heiligen Bodens, die Militäroperation in Syrien – gar der heilige Krieg gegen das Böse schlechthin; man auferlegt sich innenpolitisch „geistige Fesseln“, was so viel heißen soll, dass kaum ein repressiver, reaktionärer Gesetzesvorschlag ohne eine wie auch immer geartete Bezugnahme auf höhere, religiöse Werte auskommt. Da kommt die Russische Orthodoxe Kirche mit ihrer tausendjähriger Geschichte auf ihre Kosten und darf sich als staatlich genehmigtes Monopol für höhere Werte inszenieren.

Doch der Schein trügt. Es ist die Schwäche, die verzweifelt nach Bindung sucht. In der postsowjetischen Postmoderne muss man sich zwischen Fundamentalismus und Nihilismus nicht entscheiden; nicht gläubige Individuen inszenieren sich als gläubige Nation in einem säkularen Staat. Die Religion ist im heutigen Russland ein umkämpftes Gebiet, doch es geht nicht mehr um sie.

Die neue Ausgabe des Grossen Thiers möchte zu einer Religionskritik beitragen, die notwendigerweise die Kritik des irdischen Jammertals und keine „idealistische Hermeneutik“ sein soll.

„Reichsbürger“ – Verschwörungsideologie mit deutscher Spezifik

donnerstag // 13.07 // 20:00 uhr

Nicht erst seit dem Polizistenmord von Georgensgmünd aus dem Jahr 2016 beschäftigen Menschen aus dem Milieu der „Reichsbürger“, „Selbstverwalter“ und „Souveränisten“ Behörden und Verwaltungen. Auch in der Neuköllner Sonnenallee befindet sich mit dem selbsternannten „Amt für Menschenrechte“ eine bundesweit gut vernetzte Anlaufstelle. Zunehmend wird einer breiten Öffentlichkeit deutlich, welche Gefahren von diesem bisweilen als „Spinner“ verharmlosten Milieu ausgehen. Kern der Vorstellungswelt dieser Menschen ist der Mythos einer Weltverschwörung gegen die Deutschen, als dessen Ausdruck unter anderen („Lügenpresse“, George Soros) die Bundesrepublik Deutschland wahrgenommen wird.
Der Vortrag von Jan Rathje gibt Auskunft über die Ursprünge dieses uneinheitlichen Milieus, seiner Ideologie und Handlungsformen.

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende und verschwörungsideologische Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

kritik des nationalismus

dienstag // 30.05 // 19:00 uhr

Journalist und Autor Thorsten Mense wird sein neues theorie.org-Buch „Kritik des Nationalismus“ vorstellen: Bis heute herrscht in der Linken große Uneinigkeit über Nationalismus. Während in Deutschland «nationalistisch» mit rechtem Denken verbunden wird, gilt der Begriff in anderen Teilen der Welt als linke Selbstbezeichnung und antiimperialistische Strategie emanzipatorischer Kämpfe. Eine Kritik des Nationalismus muss jene Ambivalenz und Widersprüchlichkeit umfassen. Der Autor stellt kritische Nationalismus-Theorien verständlich und kompakt dar. Er zeigt den Zusammenhang mit der kapitalistischen Moderne und entwirft das Bild einer Kritischen Theorie der Nation. Darüber hinaus geht er auf den Zusammenhang von Nationalismus und Geschlecht ein, zeigt die Grenzen nationaler Befreiung auf und fragt nach den Möglichkeiten antinationaler Kritik.

Seit Sommer 2015 existiert ‚Der lose Zusammenhang‘(LZ). Unser Engagement bewegt sich zwischen der praktischen Solidarität mit Geflüchteten und
einer theoretischen Auseinandersetzung mit Widersprüchen der ehrenamtlichen Tätigkeit. Unser besonderes Interesse in der Veranstaltung gilt den Grenzen und Möglichkeiten linkspolitischen Handelns im Spannungsverhältnis von internationalen Grenzregimen und nationalstaatlicher Asylpolitik.

Lana Sirri: Islamic feminisms / islamische Feminismen

Mittwoch // 24.05. // 20.00 // Eine der Auftaktveranstaltungen der Linken Buchtage ist am Mittwoch bei uns:

* English below *

Kaum eine Vorstellung ist so verkannt und erfährt in der weiß-deutschen – auch feministischen – Öffentlichkeit eine so starke Skepsis, Missachtung und Unkenntnis wie die Verbindung von Islam und Feminismus. Islamischer Feminismus ist aber vielfältig und lebendig – wie die unterschiedlichen Lebensrealitäten vieler Musliminn_en in Deutschland und weltweit.

Mit ihrem Buch „Einführung in islamische Feminismen“ liefert Lana Sirri eine Einführung in Theorie und Praxis islamischer Feminismen: Was sind Ideen, Vorstellungen und Ansätze islamischer Feminismen? Wie werden sie definiert und von welchen Personen und Gruppen? Welche Rolle spielen Religion, Geschlechterbilder, Sexualität und die geographische Position für die unterschiedlichen islamischen Feminismen? Welche Differenzen und Gemeinsamkeiten gibt es innerhalb und zwischen muslimischen Communities zu islamischem Feminismus?

Lana Sirri stellt unterschiedliche feministische Positionen vor, diskutiert geschlechter- und sexualitätssensible Interpretationen der „heiligen Texte“ und lässt in von ihr geführten Interviews deutsch-muslimische Aktivistin_nen selbst von den aktuellen Herausforderungen und Kämpfen queerer und feministischer Muslimin_nen in Deutschland erzählen.

Buchpräsentation und Diskussion – auf Deutsch und Englisch – mit der Autorin Lana Sirri.

Mehr Informationen zum Buch: http://wortenundmeer.net/buecher/einfuehrung-in-islamische-feminismen_lana-sirri/

Auftaktveranstaltung zu den Linken Buchtagen 2017. Die Linken Buchtage finden vom 16.-18. Juni im Mehringhof/Kreuzberg statt.

https://www.facebook.com/events/242518296230018

* * * * *

Very few concepts evoke as much misjudgement, scepticism and lack of knowledge from a white-German (as well as feminist) public as the connection between islam and feminism. However, islamic feminism is multifaceted and vivid; just as the different lives of muslims in Germany and worldwide.

In her book, Lana Sirri provides an introduction to theory and practice of islamic feminisms: On its ideas, conceptions and approaches; how they are defined and who is defining them; on the role of religion, gender role models, sexuality, and geographic positions in the different islamic feminisms, and on differences and common grounds in and between muslim communities concerning islamic feminism.

Lana Sirri presents different feminist positions and discusses gender- as well as sexuality-sensitive interpretations of the „holy texts“, and interviews German muslim activists on the actual battles and defiances of queer and feminist muslims in Germany.

The book-presentation and discussion with the author Lana Sirri will be hold in English and German.

For more information on the book „Einführung in islamische Feminismen“ please click:
http://wortenundmeer.net/buecher/einfuehrung-in-islamische-feminismen_lana-sirri/

The presentation is an opening event for Linke Buchtage Berlin 2017. Linke Buchtage will take place at Mehringhof/Kreuzberg, 16-18 June.

https://www.facebook.com/events/242518296230018

»Wer nicht feiert…«

Donnerstag // 11.05. // 20.00Uhr

Ein Gespräch über den linken Umgang mit dem »Tag der Befreiung«

»Der 9. Mai 1945 war ein Festtag: Die Wüste des Krieges endete: Doch in fast jedem von uns hatte sich eine neue Wüste aufgetan, eine Wüste, die nie grünen wird: Die Erinnerung an die Lieben.«
Ilja Ehrenburg – Menschen, Jahre, Leben, Memoiren III.

Der 8. bzw. 9. Mai haben als Tag der bedingungslosen Kapitulation des NS-Regimes für Linke unterschiedlicher Couleur eine identitätsstiftende Bedeutung. Jedes Jahr auf’s Neue gibt es Demos, Partys und Feste, um den »Tag der Befreiung« zu zelebrieren, ganz nach dem Motto »Party like it`s 1945«.

Die Geschichte des 8. Mai seit 1945 ist komplex. Während die DDR den Tag – angelehnt an die Sowjetischen Erinnerungspraktiken – zu einem zentralen Gedenktag machte, dominierte in der Bundesrepublik über Jahrzehnte die Interpretation des 8. Mai als Niederlage und die Abwehr gegen den Begriff »Befreiung«. Auch die auf der Ebene der politischen Repräsentation vollzogene rhetorische Anerkennung der NS-Taten sowie ihrer Opfer, die angestrebte »Erlösung durch Erinnerung« täuschen nicht darüber hinweg, dass dem 8. Mai bis heute keine große Relevanz beigeordnet wird. Hinzu kommen Forderungen einer erstarkenden Rechten nach einer »erinnerungspolitischen Wende«.

Gedenkfeierlichkeiten am 8. Mai wurden in der Bundesrepublik zunächst von Verfolgten des Nationalsozialismus durchgeführt. In den 1970rn Jahren folgten Zehntausende den Aufrufen von der VVN-BDA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes), Gewerkschaften und anderen Gruppen zu Demonstrationen rund um den 8. Mai, bei denen das historische Ereignis mit tagespolitischen Themen verknüpft wurde.

Spätestens seit der Auflösung der Sowjetunion sowie der »Wiedervereinigung« steht der »Tag der Befreiung« unter neuen Vorzeichen. Parallel zu einer wachsenden Bedeutung für die geschichtspolitische Inszenierung der russländischen Regierung haben heute auch einige Events in Deutschland wieder an Bedeutung gewonnen. In den letzten Jahren versammelten sich Tausende am Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park in Berlin, darunter Anarchist_innen, Stalinist_innen, Reichsbürger_innen und Verschwörungsideolog_innen.

Die Veranstaltung »Wer nicht feiert…« Ein Gespräch über den linken Umgang mit dem »Tag der Befreiung« widmet sich der Frage, in welchem Spannungsfeld sich das Gedenken befindet und wo Linke sich in diesem wiederfinden. Wessen wird gedacht, und mit welcher Perspektive?

auf dem Podium:
Markus Tervooren: Vertreter der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), eine Vertreterin des AK Loukanikos (https://historyisunwritten.wordpress.com/), Lukas Eichner (Historiker aus Leipzig).
Moderation: Renate Hürtgen.

Unterstützt durch die Initiative »Geschichte vermitteln« Leipzig.
Gefördert durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung.



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